Angedacht

Kerzen und Gebete

„Die Mächtigen kommen und gehen und auch jedes Denkmal mal fällt. Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt. Vertraut auf den Herrn für immer...“ 1982 wurde dieses Lied von Dr. Theo Lehmann und Jörg Swoboda erstmals beim „Offenen Abend für junge Leute“ in der St. Laurentiuskirche gesungen. Den Genossen, die „mithörten“, wird es nicht gefallen haben. Es war eine bleierne Zeit, damals in der DDR. Überall konnte man spüren, dass der Sozialismus siecht. Die Mauer, so sagte man uns, würde noch in hundert Jahren stehen. Das unser Leben trotzdem erfüllt und gesegnet war lag nicht am System der DDR, sondern an der Gnade unseres Herrn Jesus Christus. Trotz staatlicher Behinderung christlicher Arbeit haben wir erlebt: Gott ist da! Menschen fanden zu ihm und wurden durch ihn verändert. Er schenkte Kraft zum aufrechten Gang. Die Sehnsucht nach Veränderung zog immer mehr ihre Kreise im ganzen Land. Im Frühjahr 1989 gab es Eingaben gegen die Wahlfälschung bei den sogenannten Kommunalwahlen. Es gab Fürbitten für verhaftete Menschenrechtler in der CSSR und Proteste gegen unverantwortliche Baumaßnahmen. Im Herbst wurde das Neue Forum gegründet. Ab November fanden die Friedensgebete mit anschließender Bürgeraussprache in der überfüllten St.Johanniskirche statt. Und dort erklang es wieder, dieses Lied. Jetzt hatten wir es erlebt, was Maria, die Mutter von Jesus einst sagte: „Er, Gott, stößt die Gewaltigen vom Thron“(Lukas 1,52). Es war eine friedliche Revolution, nicht mit Waffen und Gewalt, sondern mit Kerzen und Gebeten. Ein großes Geschenk wie nie zuvor in unserer Geschichte und damit auch ein große Aufgabe und Verantwortung bis heute und auch künftig.